Parameter zur Calcitsättigung

aqion Ausgabe: Beispiel zum Calcitsättigung

Die wichtigsten Kenngrößen zum Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht werden in einem separaten Fenster ausgegeben – siehe Screenshot rechts (für das Beispielwasser gw.sol).1

Sättigungs-pH

Die berechneten Parameter beziehen sich auf die Bewertungstemperatur Tb, welche von der Temperatur T der Wasserprobe (Inputwasser) abweichen kann.2 Im rechten Beispiel sind T und Tb gleich.

Insgesamt werden fünf verschiedene pH-Werte angezeigt (welche auf unterschiedlichen Annahmen bzw. Berechnungsmethoden basieren):

pH_0 pH der Wasserprobe (Inputwasser)
pH pH der Wasserprobe bei Bewertungstemperatur Tb
pH_C Sättigungs-pH (bei Tb)

Aus dem Vergleich von pH mit pH_C erfolgt die Fallunterscheidung (laut DIN 38404-C10-R3 1995):

pH < pH_C – 0.03 Das Wasser ist calcit-lösend.
pH > pH_C + 0.03 Das Wasser ist calcit-abscheidend.
pH = pH_C ± 0.03 Das Wasser ist calcit-gesättigt.

Die Differenz beider pH-Werte wird im englischen Sprachraum als “Langelier Saturation Index” bezeichnet:

  LSI  =  pH – pH_C

Alternative Sättigungs-pH’s sind:

pH_A Sättigungs-pH nach CO2-Ausgleich
pH_L Sättigungs-pH nach Strohecker/Langelier (bei diesem pH bleiben die Ca- und DIC-Konzentrationen unverändert)

SI und Calcitmenge

SI_Calcit Sättigungsindex von Calcit
Calcitabscheidekapazität Menge an ausgefallenem CaCO3 in mmol/L (nur wenn SI > 0)
Calcitlösekapazität Menge an gelöstem CaCO3 in mmol/L (nur wenn SI < 0)
Calcitmenge ausgefallene bzw. gelöste CaCO3-Menge in mg/L

Mengenanteile CO2: Freie und gebundene Kohlensäure

Die Abweichung vom Calcit-Gleichgewicht wird in der älteren Literatur durch Angaben zur

quantifiziert.3 Heutzutage lassen sich diese Größen direkt aus der Carbonat-Speziierung ableiten.

Freie und Gebundene Kohlensäure.  Die im Wasser gelöste Menge an anorganischem Kohlenstoff (DIC) umfasst folgende Spezies:

(1) DIC  =  [CO2] + [HCO3-] + [CO3-2] + Carbonat-Komplexe

mit allen Carbonat-Komplexen = [CaCO3(aq)] + [CaHCO3+] + [MgCO3(aq)] + … 

Bezeichnet man nun den DIC als “totales CO2” = [DIC] × 44.01 g/mol, dann erhält man durch Umsortierung von 1:

(2) totales CO2  =  freies CO2 + halb-geb. CO2 + ganz-geb. CO2

mit den folgenden Kohlensäure-Anteilen4:

(2a) freies CO2 = [CO2]
(2b) halb-geb. CO2 = [HCO3-] + [CaHCO3+] + [MgHCO3+] + …
(2c) ganz-geb. CO2 = [CO3-2] + [CaCO3(aq)] + [MgCO3(aq)] + …

Die halb-gebundene Kohlensäure enthält Hydrogencarbonat und alle Hydrogencarbonat-Komplexe; die ganz-gebundene Kohlensäure enthält das Carbonat-Ion und alle Carbonat-Komplexe.

Zugehörige Kohlensäure.  Die “zugehörige Kohlensäure” ist die Menge an CO2, bei dem das Wasser exakt im Calcit-Gleichgewicht wäre. Diese Größe wird in einer separaten Gleichgewichtsrechnung ermittelt und heißt im Programm deshalb “Kohlensäure im Calcit-Gleichgewicht”.

Aggressive Kohlensäure.  Übersteigt die Menge an freiem CO2 die Menge an zugehörigem CO2, dann bezeichnet man die überschüssige Kohlensäure als

(3) aggressives CO2  =  freies CO2 – zugehöriges CO2

Andernfalls spricht man vom

(4) CO2 im Defizit  =  zugehöriges CO2 – freies CO2

Anmerkungen

  1. Dieser Screenshot ist der rechte Teil eines größeren Anzeigefensters. ↩

  2. Ein Beispiel: Die Temperatur der Wasseranalyse ist 20°C, wir interessieren uns aber für die Calcitsättigung bei einer Bewertungstemperatur von 60°C. ↩

  3. Der Begriff der (kalk-)aggressive Kohlensäure wurde 1912 von Tillmans und Heublein in die Wasseranalytik eingeführt. ↩

  4. Die Begriffe Kohlensäure und CO2 gelten hier als Synonyme. Im Programm werden diese Größen in der Maßeinheit “mg/L CO2” ausgegeben. ↩

[last modified: 2021-01-10]